Land und Leute/ Geschichte, Politik und Religion USA
Geschichte, Politik und Religion der USA
Geschichte
Mit knapp 250 Jahren sind die USA ein sehr junges Land. Doch ihre Geschichte ist eine tiefgreifende, die Land und Leute bis heute prägt. Um den jetzigen Standpunkt der USA zu verstehen, ist es sinnvoll sich ihre Historie vor Augen zu führen.
Obwohl die offizielle Geschichte der USA erst mit ihrer Unabhängigkeitserklärung von 1766 beginnt, reicht die Geschichte ihrer Bewohner viele Jahre zurück. Die ersten Nomaden und Jäger kamen vor über 30.000 Jahren nach Nordamerika und prägen noch heute das Bild des Landes. Im Jahr 1492 landete der italienische Seefahrer Christoph Columbus als erster Europäer in der Neuen Welt.
Ende des 15. Jahrhunderts kamen die ersten Einwanderer aus Europa in die Neue Welt und gründeten im Jahr 1607, gut hundert Jahre später, die erste koloniale Siedlung in Jamestown, Virginia. Die sogenannten Puritaner, die in den Folgejahren aus England migrierten, sahen sich als das auserwählte Volk Gottes an, das den nordamerikanischen Kontinent erschließen sollte. Dieser Gedanke hat noch bis heute einen großen Einfluss auf den Charakter der USA. Bis 1733 entstanden nach und nach die 13 englischen Kolonien in Nordamerika, die später als Gründerstaaten bekannt wurden und denen die Streifen auf der amerikanischen Nationalflagge gewidmet sind.
Der Wunsch nach Souveränität und die Unzufriedenheit mit England führten zu erheblichen Unruhen in Nordamerika und Europa. Es folgte die Amerikanische Revolution und die Unabhängigkeitserklärung von 1776. Zusammen mit dem darauf folgenden Revolutionskrieg trennten sich die Kolonien offiziell von ihrem Mutterland und wurden die Vereinigten Staaten von Amerika.
Die Sklaverei erlangte im darauf folgenden Jahrhundert zunehmend an Bedeutung für den Süden des Landes und entwickelte sich schnell zur zentralen Frage der Nation. Der Norden stand der Sklaverei kritisch gegenüber und forderte deren Abschaffung, wohingegen sich der Süden geschlossen hinter die Institution stellte. Dessen Begründung der wirtschaftlichen Rentabilität der Sklaverei scheiterte jedoch genau so, wie der Versuch einer menschlichen Rechtfertigung des Menschenhandels. Die Fronten spitzten sich immer mehr zu, bis es im Jahr 1861 zum Bürgerkrieg kam. Das Ende des Krieges vier Jahre später bedeutete auch das offizielle Ende der Sklaverei und machte deutlich, dass das Land von nun an als ein einheitliches Ganzes fungieren müsse.
Darauf folgte ein langwieriger Wiederaufbau der Südstaaten. Gleichzeitig breitete sich die Bevölkerung immer weiter nach Westen aus. So entstanden nach und nach die insgesamt 50 Bundesstaaten, denen die 50 Sterne auf der amerikanischen Flagge gewidmet sind. Mit der Besiedlung des Westens wandelte sich das Land von einer Agrar- zu einer Industrienation. Sowohl Erdöl- als auch Stahlgeschäft erlangten großen Erfolg und trugen dazu bei, dass die USA zur führenden Industrienation der Welt wurden.
Im 20. Jahrhundert war das Land in zwei Weltkriege involviert, während zu Hause Frauen und Afro-Amerikaner erbittert um ihre Rechte kämpften. Die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 lädierte die Unbeschwertheit der Goldenen Zwanziger. Der Vietnamkrieg und die Bürgerrechtsbewegung prägten die USA nachhaltig. Im Jahr 1969, fünf Jahre nach der Ermordung John F. Kennedys, landete der erste Mensch auf dem Mond.
Im 21. Jahrhundert sind die USA die einzige verbliebene Weltmacht. Das Land setzt sowohl politisch als auch wirtschaftlich die Maßstäbe und trifft die einflussreichsten Entscheidungen. Präsident George W. Bush ist der 43. Präsident der Vereinigten Staaten.
Politik
Die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika ist von einer sogenannten Präsidialdemokratie geprägt, was bedeutet, dass der US-Präsident auch gleichzeitig der Chef der Regierung ist. Diese Regelung ist bereits in der Verfassung schriftlich formuliert worden. Trotz der jungen Geschichte des Landes besitzen die USA eine der ältesten Demokratien der Welt. Etabliert wurde die Demokratie durch die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung Ende des 18. Jahrhunderts.
Verfassung
Die amerikanische Verfassung trat im Jahr 1787 als erste demokratische Verfassung überhaupt in Philadelphia in Kraft. Sie setzt sich aus sieben Artikeln und 27 Amendments, den Zusatzartikeln, zusammen. Die ersten zehn Amendments bilden die Bill of Rights, den Grundsatzkatalog. Dieser nennt die Grundrechte der Amerikaner, zum Beispiel zur Meinungs- und Religionsfreiheit, dem Recht auf Waffenbesitz oder auf allgemeine Sicherheit.
Föderalismus
Bereits die amerikanische Verfassung definiert die Vereinigten Staaten als einen föderalen Bundesstaat, der auf Machtkontrolle und Machtausbalancierung (auch "checks and balances" genannt) beruht. Dies impliziert eine generelle Gewaltenteilung zwischen dem Zentralstaat und den einzelnen Bundesstaaten. Die relativ starke Regierung der regionalen Ämter und Institutionen und die vergleichsweise schwache Regierung in Washington ist also gewollt, denn die Amerikaner fürchten eine Übermacht der Zentralregierung. Dies widerspricht dem in Europa weit verbreiteten Klischee der Allgewalt des US-Präsidenten. Die Gewaltenteilung zeigt sich in Form der gegenseitigen Abhängigkeit und Beeinflussbarkeit der drei Staatsorgane Exekutive, Legislative und Judikative.
Exekutive
Der Präsident der Vereinigten Staaten leitet die amerikanische Regierung und gilt somit als mächtigster Mann der Welt. Er bildet die Exekutive und wird alle vier Jahre von den US-Bürgern gewählt. Die Gewaltenteilung spiegelt sich hier in der Tatsache wieder, dass der Präsident ein Veto gegen die Gesetze des Kongresses einlegen kann. Im Gegensatz zum deutschen Bundeskanzler darf der US-Präsident kein Mitglied der Legislative sein.
Legislative
Der Supreme Court (der Oberste Gerichtshof) sorgt als vollziehende Gewalt für die Rechtsprechung und damit für die Einhaltung der Verfassung. Auch hier spielt die Gewaltenteilung eine große Rolle, denn die neun Richter des Gerichtshof werden vom Präsidenten vorgeschlagen und vom Senat vereidigt.
Judikative
Der amerikanische Kongress bildet das gesetzgebende Staatsorgan. Er teilt sich in zwei Kammern, das Repräsentantenhaus und den Senat. Die Anzahl der Abgeordneten des Repräsentantenhauses beträgt genau 435 und ist auf die 50 Bundesstaaten verteilt. Dabei ist die Bevölkerungszahl des Staates ausschlaggebend für die Anzahl der gestellten Abgeordneten. Diese Zahl wird alle zehn Jahre neu ermittelt. Der Senat besteht lediglich aus 100 Mitgliedern. Jeder Staat stellt zwei Senatoren. Dadurch, dass die Repräsentation der Kongressmitglieder einerseits abhängig und andererseits unabhängig von der Bevölkerungszahl der Staaten ist, ist das für die Amerikaner der so wichtige Förderalismusprinzip zwischen Bund und Staaten gesichert. Zusätzlich zu dieser Regelung kann der Kongress den Präsidenten bestrafen, in dem er Gesetze verabschiedet und Pläne des Präsidenten nicht bewilligt. Der Vorsitz des Senats hat jedoch kein Stimmrecht, da er gleichzeitig der Vizepräsident der USA und somit Teil der Exekutive ist.
Parteien
Die Politik der USA wird von zwei großen Parteien bestimmt – den Republikanern und den Demokraten. Während Erstere konservativ ausgerichtet sind, bezeichnen sich Letztere als liberal-demokratisch. Somit spielen sich die Machtverhältnisse hauptsächlich zwischen diesen zwei Parteien ab. Die Wahlprogramme sind jedoch nicht auf das ganze Land, sondern vielmehr auf die jeweiligen Wahlkreise ausgelegt. Das führt dazu, dass sich politische Meinungen innerhalb einer Partei von Staat zu Staat stark unterscheiden können.
Wahlen
Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten alle vier Jahre neu. Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird im Jahr 2008 zum 44. Mal in der Geschichte der USA gewählt. Da US-Wahlen, ob Präsidentschafts- oder Kongressswahl, sehr teuer sind, hängt Erfolg und Misserfolg oft von der finanziellen Lage der Partei ab. Das Wahlbudget setzt sich dabei aus Spenden von Unternehmen und Privatpersonen zusammen. Die Abgeordneten des Senats und des Repräsentantenhauses werden alle zwei Jahre gewählt, beim Senat jedoch jeweils nur ein Drittel der Mitglieder. Die Exekutive und die Legislative wählen dann die Richter des Supreme Court.
Religion
Schon die ersten Siedler kamen mit dem Wunsch in die Neue Welt, ihre Religion frei leben zu können – etwas, das zu der Zeit in Europa schwierig war. So entwickelte sich die bis heute bestehende Religionsfreiheit in den USA. Schon früh in der Geschichte Amerikas entschieden sich die Bürger für eine Trennung von Kirche und Staat. Diese Voraussetzungen bildeten einen fruchtbaren Boden für die unterschiedlichsten Religionen. Einwanderer aus der ganzen Welt, die über die Jahre nach Nordamerika gesiedelt sind, brachten zusätzliche Glaubensrichtungen mit sich.
Unter den zahlreichen Religionen befinden sich unter anderem die Amischen, die technischen Fortschritt ablehnen und stark christlich religiös sind. Die Mormonen bestimmen die Gemeinschaft der Stadt Salt Lake City in Utah. Die Black Muslims sind eine afroamerikanische Religionsgemeinschaft, die in den 30er Jahren von Bürgerrechtlern gegründet wurde. Die ursprünglich christliche Religion der Quäker legt Wert auf einen einfachen und reflektierten Lebensstil. So gibt es dort eine Vielzahl an religiösen Ausrichtungen, die sich im Laufe der Jahre entfaltet haben.

